Wetter. KI schlägt klassische Modelle?

1. Februar 2026 | Amberg, Oberpfalz

Der Winter 2025/26 hat uns bisher nicht wirklich verwöhnt. Nasskalt, grau, ab und zu ein paar Zentimeter Schnee – aber so richtig der „klassische Februar-Knaller“ mit Dauerfrost und Pulverschnee blieb bisher aus. Doch genau jetzt, Anfang Februar, taucht in den Modellen ein Szenario auf, das vielen Winterfans das Herz höher schlagen lässt: Ein erneuter Kälteeinbruch um/nach dem 10. Februar. Und ausgerechnet das neue KI-Modell des ECMWF – AIFS – malt dieses Bild besonders hartnäckig und konsistent.

Was ist AIFS eigentlich?

Seit 2025 läuft beim Europäischen Zentrum für Mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF) neben dem klassischen IFS ein zweites, vollständig datengetriebenes Modell parallel: das Artificial Intelligence Forecasting System, kurz AIFS. Es basiert auf Graph Neural Networks und Transformer-Architekturen, wurde auf riesigen Mengen an ERA5-Daten und operationellen Analysen trainiert und liefert inzwischen Prognosen mit einer Auflösung von ca. 0,25° – also ziemlich scharf.

Und genau dieses Modell zeigt seit einigen Tagen eine bemerkenswerte Sturheit: Während GFS und teils auch der klassische ECMWF-IFS schon wieder leichte atlantische Milderung andeuten (besonders nach dem 12.–14. Februar), hält AIFS an einer kalten Grundströmung fest. Kontinentale Kaltluft aus Nordosteuropa/Russland wird immer wieder nach Mitteleuropa gedrückt – oft mit einem Block über Skandinavien oder dem Nordosten.

Wie kalt könnte es wirklich werden?

Aktuell (Stand 1. Februar) zeichnet sich folgender grober Ablauf ab:

  • Bis ca. 5.–8. Februar Weiterhin nasskalt bis mäßig winterlich. Tagsüber 0 bis +5 °C, nachts leichter bis mäßiger Frost. Immer wieder Schnee- oder Schneeregenmischung möglich – vor allem wenn sich eine Luftmassengrenze über Bayern legt.

  • Um den 10. Februar herum (ca. 8.–14. Februar) Hier wird’s spannend. AIFS zeigt in vielen aufeinanderfolgenden Läufen einen erneuten Vorstoß kälterer Luft aus Osten/Nordosten. 850-hPa-Temperaturen sinken teils wieder unter -10 bis -14 °C. Am Boden könnte das bedeuten:

    • Tagesmaxima nur noch -3 bis +2 °C (lokal auch darunter)

    • Nächte mit -8 bis -15 °C, bei Schneedecke lokal noch kälter

    • Chance auf durchgehenden Dauerfrost und Neuschnee (5–15 cm möglich, je nach genauer Bahn)

Das wäre kein arktischer Super-Einbruch à la -25 °C, aber ein richtig unangenehmer, langer Winterschub – genau die Art, die im Februar statistisch am häufigsten vorkommt.

Warum ist AIFS hier so „bullish“ auf Kälte?

KI-Modelle wie AIFS neigen manchmal dazu, Muster sehr konsequent zu verlängern – besonders wenn sie in den Trainingsdaten ähnliche Blockingsituationen häufig mit nachfolgender Kälte assoziiert haben. Der aktuelle Polarwirbel ist gestört (teilweiser Split durch Stratosphären-Erwärmung), der Jetstream liegt weit nördlich, und über Nordeuropa sitzt ein hartnäckiges Kälte-Reservoir. Klassische Modelle „trauen“ sich da manchmal schneller eine atlantische Gegenoffensive zu – AIFS bleibt skeptischer.

Und die Gegenargumente?

Natürlich ist das alles noch Mittelfrist – wir reden von 8–12 Tagen Vorlauf. Typische Unsicherheiten:

  • Viele Ensembles (ECMWF-ENS, GEFS) zeigen für die zweite Februarwoche schon wieder eine Milderungstendenz (West- bis Südwestlagen).

  • Wenn der Block nach Osten abrutscht oder der Atlantik stärker zurückkommt, könnte es stattdessen +8 bis +12 °C geben.

  • Derzeit ist die Streuung im Ensemble noch riesig – von „Eiszeit light“ bis „früher Vorfrühling“ ist alles drin.

Mein persönlicher Tipp für Amberg & die Oberpfalz

Bleibt wachsam, aber baut noch kein Iglu. Holt die dicken Handschuhe und die Schneeschuhe raus, aber lagert noch nicht den kompletten Wintervorrat ein. Die nächsten 4–5 Tage werden entscheidend: Schaut besonders auf die ECMWF-ENS + AIFS-ENS-Karten (500 hPa-Geopotential und 850-hPa-Temperatur). Wenn der kalte „Arm“ aus Osten wirklich nach Westen ausgreift und nicht abbricht – dann könnte der Februar 2026 doch noch zum richtigen Wintermonat werden.

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