Warum die Geiskirche manchmal ohne Eiszapfen dasteht

Ein Winter-Update aus der Oberpfalz. Hallo zusammen,

heute war ich wieder mal in der Geiskirche bei Neukirchen (nahe Sulzbach-Rosenberg, quasi ums Eck von Amberg). Die riesige, offene Felshalle mit dem fetten Mittelpfeiler – 20 m lang, bis zu 13 m breit und locker 3,5 m hoch – ist ja normalerweise im Winter ein absoluter Hotspot für Eiszapfen-Fans. Viele von euch kennen sie vom Höhlenwanderweg Nr. 3, der da durch die Kuppenalb führt: Windloch, Franzosenloch, Bärenloch, Osterhöhle und eben die Geiskirche als absolutes Highlight.

Man läuft rein, schaut hoch – und normalerweise hängen da meterlange, kunstvoll geschwungene Eiszapfen wie bizarre Segel oder Kronleuchter von der Decke. Im Vorraum wirkt das Dach fast wie ein natürlicher Eispalast. Viele Beschreibungen schwärmen davon: „Bei geeigneten Winterbedingungen herrliche Eiszapfen“, „besonders reizvoll im Winter wegen der Eisbildungen“. Und ja, das stimmt – wenn die Bedingungen passen.

So ist es da normalerweise bzw. habe ich das wieder erwartet. Die Bilder sind aus der Vergangenheit:

Heute? Nada. Gar nix. Kein einziger Zapfen, nicht mal kleine Eiskristalle am Rand. Die Decke war vielleicht nass, tropfte ein bisschen, aber gefroren? Fehlanzeige. Frustrierend, oder? Aber es gibt einen ganz klaren Grund dafür – und der liegt nicht an der Höhle selbst, sondern am Wetter der letzten Wochen.

Die Physik hinter den Eiszapfen – kurz & knackig erklärt

Damit in einer offenen Höhle wie der Geiskirche richtig geile Eiszapfen entstehen, braucht's drei Dinge gleichzeitig:

  • Dauerhaft negative Temperaturen (idealerweise nachts unter -5 bis -10 °C und tagsüber nicht viel über 0 °C) → Das Wasser, das von oben durch den Kalkstein sickert, muss gefrieren können, bevor es wieder abtropft.

  • Genug Feuchtigkeit / Sickerwasser → Die Höhle liegt in einer verkarsteten Zone, da gibt's immer etwas Tropfwasser – aber bei Trockenperioden wird's weniger.

  • Konstante Kälte über mehrere Tage/Wochen → Einzelne Frostnächte reichen nicht. Die Eisbildung baut sich schichtweise auf: Tropfen gefriert → neuer Tropfen drauf → wird dicker → Stalaktit entsteht. Braucht meist 1–3 Wochen durchgehend kaltes Wetter.

Und genau da hapert's gerade (Stand Januar 2026): In Amberg und Umgebung lagen die Temperaturen die letzten Tage oft bei -1 bis -8 °C nachts, tagsüber knapp unter oder um 0 °C. Es gab Frostwarnungen (sogar strenger Frost am 22. Januar), aber davor war's teils zu mild oder wechselhaft. Im Januar-Durchschnitt sind's hier so -3 bis +3 °C – das ist grenzwertig für stabile Eisformationen. Wenn's tagsüber mal kurz taut oder die Nächte nicht konsequent kalt genug sind, tropft alles einfach runter, statt anzufrieren.

Deshalb: Die Geiskirche ist keine echte Eishöhle wie die Eisriesenwelt in Werfen (die ist ja komplett geschlossen und eisgekühlt). Sie ist eine offene Halbhöhle / Felshalle, bei der die Eisbildung stark wetterabhängig ist. Mal ein Traum aus Eis, mal nur nasse Steine.

Hier Bilder von heute:

Siehst alles besser in meinem vLog:

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