Warum heißt es eigentlich Fränkische Schweiz?
Eine kleine romantische Zeitreise ins 19. Jahrhundert
Die Fränkische Schweiz gehört zu den bekanntesten und beliebtesten Urlaubsregionen Bayerns – und das, obwohl sie weder echte Berge noch Gletscher hat. Trotzdem trägt sie stolz den Namen „Schweiz“. Wie kam es dazu?
Hier die kurze, ehrliche Antwort: Es war reine romantische Begeisterung – und ziemlich cleveres frühes Tourismus-Marketing.
Alles begann mit der Romantik (ca. 1780–1850)
Damals war die echte Schweiz das absolute Sehnsuchtsziel gebildeter Europäer. Die Alpen galten als Inbegriff von Erhabenheit, Wildheit und göttlicher Natur. Wer es sich leisten konnte, fuhr nach Zürich, Luzern, Interlaken oder in die Berner Oberland.
Aber: Die Reise war lang, teuer und beschwerlich. Also suchten junge Dichter, Maler, Studenten und Naturbegeisterte nach Alternativen – möglichst nah, möglichst günstig, aber mit ähnlichem Wow-Effekt.
Und genau hier kam die kleine, unscheinbare Ecke zwischen Nürnberg, Bayreuth und Bamberg ins Spiel.
Die markanten Jurafelsen, die tief eingeschnittenen Täler (allen voran das Wiesenttal), die vielen kleinen Höhlen, Burgruinen auf spitzen Felsen und die abwechslungsreiche Hügellandschaft erinnerten die Romantiker tatsächlich ein bisschen an die Schweiz – nur eben in Miniaturformat und viel gemütlicher erreichbar.
Die entscheidenden Schritte zum Markennamen
Vor 1800 nannte man die Gegend meist ganz nüchtern „Muggendorfer Gebürg“ oder Muggendorfer Gebirge (nach dem Dorf Muggendorf).
Ab Ende 18. Jahrhundert kamen immer mehr schwärmerische Reiseberichte.
1820 erschien das Buch „Die kleine Schweiz“ von Jakob Reiselsberger aus Waischenfeld – der Name war geboren.
Der große Durchbruch kam 1829 mit Joseph Hellers Werk: „Muggendorf und seine Umgebung oder die Fränkische Schweiz“ → Danach war der Name nicht mehr aufzuhalten.
Der Begriff verbreitete sich rasend schnell in Reiseführern, Zeitungen und später auch auf den ersten Werbeplakaten.
Und heute?
Die Fränkische Schweiz hat den Namen mehr als verdient. Sie ist keine Kopie – sie ist eine eigene, charmante, fränkische Variante mit Biergärten, Bratwürsten, Höhlen und einer ganz besonderen Gemütlichkeit.
Kurzer Fun-Fact zum Schluss
Deutschland hat tatsächlich eine ganze Schweiz-Familie:
Sächsische Schweiz
Holsteinische Schweiz
Märkische Schweiz
Mecklenburgische Schweiz
Fränkische Schweiz
sogar eine Schwäbische Schweiz gibt es (bei Aalen)
Die Romantiker hatten halt einfach sehr viel Fantasie – und einen guten Riecher für eingängige Namen.