Von keltischen Bierkrügen bis zum Big Mac
Eine Zeitreise durch Amberg und Umgebung. Stell dir vor, du stehst in Amberg auf der Fuggerstraße, hältst ein Bier in der Hand und schaust auf die moderne McDonald’s-Filiale. Kaum zu glauben, dass an diesem Fleck Erde Menschen schon seit mindestens 7.500 Jahren leben und arbeiten. Lass uns mal zurückspulen – ganz schön weit zurück.
Die ganz frühen Jahre – lange vor den Nariskern (5500 v. Chr. – ca. 100 v. Chr.)
Die allerersten Bewohner, die man hier nachweisen kann, kamen in der Jungsteinzeit (Neolithikum). Ab ca. 5500 v. Chr. siedelten Ackerbauern und Viehzüchter in der Region. Archäologen finden ihre Keramikscherben, Steinbeile und Siedlungsreste vor allem im Naab- und Vilstal. Das waren noch keine Städte, sondern kleine Dörfer mit Holzhäusern und ersten Getreidefeldern.
In der Bronzezeit (2200–800 v. Chr.) und der Hallstattzeit (800–450 v. Chr.) wird es spannender. Hier tauchen die ersten keltischen oder proto-keltischen Gruppen auf. Hügelgräber mit Waffen, Schmuck und Bronzegefäßen zeugen von einer wohlhabenderen Gesellschaft. Besonders beeindruckend: Auf dem Burgberg bei Kallmünz befand sich eine bedeutende keltische Höhensiedlung mit Befestigungen – vermutlich ein regionales Zentrum, aber kein großes Oppidum.
In der Latènezeit (450 v. Chr. bis etwa Christi Geburt) waren die Kelten hier richtig präsent. Es gibt sogar Hinweise auf keltische Bierkrüge (Sensationsfund in einem Amberger Garten!), Eisenverarbeitung und regen Handel. Die Region war dünn besiedelt, waldreich und bergig – perfekt für kleine, verstreute Siedlungen, aber kein Vergleich zu den großen keltischen Oppida an der Donau.
Dann kamen die Germanen – die Narisker ziehen ein (ca. 1. Jh. v. Chr. – 4. Jh. n. Chr.)
Ab dem 1. Jahrhundert vor Christus ändert sich die Lage dramatisch. Germanische Gruppen wandern aus dem Norden (Richtung Elbe, Thüringen) ein. Der erste namentlich bekannte Stamm in unserer Gegend sind die Narisker (auch Naristen oder Varisker genannt). Tacitus erwähnt sie in seiner „Germania“ als Nachbarn der Markomannen.
Die Narisker lebten vor allem im Naabtal, Vilstal und um Amberg, Weiden, Kallmünz. Sie waren typische Germanen der Römerzeit: Viehzüchter, Ackerbauern, Jäger, Schmiede – und sie handelten fleißig mit den Römern an der Donau (Bernstein, Felle, Eisen gegen Wein, Keramik und Münzen). Sie kämpften sogar mit den Markomannen gegen die Römer in den Markomannenkriegen (166–180 n. Chr.).
Ob sie die Kelten vertrieben, vermischt oder einfach nur neben ihnen lebten, ist nicht ganz klar – wahrscheinlich eine Mischung aus allem. Ab dem 4./5. Jahrhundert verschwinden die Narisker als eigenständiger Stamm aus den Quellen.
Bajuwaren, Franken, Wittelsbacher – der Weg ins Mittelalter und die Neuzeit
Ab dem 6. Jahrhundert kommen die Bajuwaren ins Spiel – die Vorläufer der heutigen Bayern. Sie entstehen aus einer Mischung von germanischen Resten (Narisker-Nachfahren?), slawischen Zuwanderern und anderen Gruppen. Ab dem 8./9. Jahrhundert wird das Gebiet bairisch-fränkisch geprägt.
Amberg selbst taucht erst 1034 als „Ammenberg“ in einer Urkunde auf. Die Stadt wächst durch den Eisenhandel („Ruhrgebiet des Mittelalters“), wird befestigt, bekommt Stadtrecht und ist später sogar Regierungssitz der Oberen Pfalz unter den Wittelsbachern. Hussitenkriege, Reformation, Dreißigjähriger Krieg, Rekatholisierung – die Oberpfalz hat wirklich alles durchgemacht.
Im 19. Jahrhundert wird Amberg Garnisonsstadt, verliert 1810 den Regierungssitz an Regensburg und entwickelt sich zur Industriestadt. Im 20. Jahrhundert kommen Weltkriege, Wiederaufbau und schließlich der moderne Strukturwandel.
Und heute? McDonald’s in Amberg (seit Ende 20. Jahrhundert)
Und dann, irgendwann in den 1990er Jahren zieht der Big Mac ein.
Heute ist das McDonald’s in Amberg sogar mehrfach modernisiert worden – zuletzt 2025 stand es als eine der „modernsten Filialen Deutschlands“ in der Presse. Vom keltischen Bierkrug im Garten über germanische Eisenbarren bis zum Drive-In mit App-Bestellung – die kulinarische Evolution ist komplett.
Amberg – ein Ort mit Tiefgang
Wenn du heute durch Amberg läufst, spürst du vielleicht nichts mehr von Nariskern oder Kelten. Aber unter deinen Füßen liegt eine Geschichte von fast 8.000 Jahren. Vom ersten neolithischen Bauernhof über keltische Handwerker, germanische Viehzüchter, bajuwarische Siedler, mittelalterliche Eisenbarone bis zum aktuellen McDonald’s-Menü – alles hat hier Spuren hinterlassen.
Nächstes Mal, wenn du dir einen Burger holst, denk mal kurz an die Narisker. Die hätten wahrscheinlich den McChicken mit Ziegenkäse getoppt.