Fasching: Von alten Dämonenvertreibern bis zum bunten Gaudiwurm
Die spannende Geschichte der Faschingsumzüge. Servus! Wenn in Bayern und der Oberpfalz die Narren los sind, die Straßen in Konfetti explodieren und der „Gaudiwurm“ durch die Orte schlängelt, dann ist Fasching in vollem Gange. Du hast gefragt, wo das ganze Spektakel mit den Umzügen eigentlich herkommt – und ich schreib dir hier einen kleinen, lockeren Blogartikel dazu. Perfekt zum Weiterleiten oder selber Lesen mit einem Kaffee (oder einem Bier, je nach Stimmung). Los geht’s!
Was ist Fasching eigentlich?
Fasching (in Bayern und Österreich), Karneval (Rheinland) oder Fastnacht (Südwestdeutschland) – alles dasselbe: die letzten Tage vor der 40-tägigen Fastenzeit vor Ostern. Der Begriff „Fasching“ kommt aus dem Mittelhochdeutschen vaschanc = „Fastenschank“, also der letzte große Ausschank vor dem Verzicht auf Fleisch und Genuss.
Es ist die Zeit, in der die Welt Kopf steht: Prinzen regieren, Frauen übernehmen das Rathaus (Weiberfastnacht), und der ganz normale Alltag wird für ein paar Tage auf den Kopf gestellt. Und das Highlight für viele: die großen Umzüge!
Die Wurzeln: Viel älter als du denkst
Die ganz alten Vorläufer reichen bis in die Antike: Mesopotamien vor über 5.000 Jahren (Gleichheitsfeste), römische Saturnalien mit Rollenumkehr und Schiffswagen-Umzügen oder keltisch-germanische Bräuche, bei denen man mit Lärm und Masken den Winter und böse Geister vertreiben wollte.
Aber der „richtige“ Fasching, wie wir ihn kennen, entstand erst im hohen Mittelalter zusammen mit der christlichen Fastenzeit. Die Kirche erlaubte die ausgelassenen Feiern quasi als „Ventil“ – danach kam die strenge Fastenzeit. Schon um 1200 schreibt Wolfram von Eschenbach in seinem „Parzival“ von wilden Fastnachtsspielen in Bayern (Dollnstein gilt manchen sogar als „Wiege des deutschen Karnevals“). Im 14./15. Jahrhundert boomten die Narrenfeste: Maskenbälle, Spottreden und erste Umzüge.
Woher kommen die Faschingsumzüge genau?
Hier wird’s spannend – die Umzüge sind nicht einfach nur „Party auf Rädern“, sondern haben eine richtig alte Tradition:
Der älteste dokumentierte Umzug Deutschlands ist der Nürnberger Schembartlauf – erstmals urkundlich 1397 erwähnt! Bunte, maskierte Narren in Kostümen zogen durch die Stadt, später mit einem „Höllenwagen“, auf dem die Fastnacht symbolisch verbrannt wurde. Das war schon ein richtiger Gaudiwurm-Vorläufer. Heute wird der Schembartlauf als historisches Schauspiel wieder aufgeführt.
Im Rheinland (Köln, Mainz, Düsseldorf) wurden die Umzüge im 19. Jahrhundert richtig organisiert. 1823 gründeten Kölner Bürger das erste Festkomitee, um den wilden Straßenkarneval „in geordnete Bahnen“ zu lenken. 1824 fand der erste große Rosenmontagszug statt – mit Prinzenwagen, Wagen und politischem Spott. Das wurde zum Vorbild für ganz Deutschland. Heute sind die Kölner Züge die größten und bekanntesten.
In Bayern heißen die Umzüge liebevoll Gaudiwurm. Hier mischen sich mittelalterliche Traditionen mit bayerischer Lebensfreude. In Nürnberg und Würzburg ziehen jedes Jahr riesige Züge mit 100.000+ Besuchern. Und in der Oberpfalz? Da wird’s richtig kreativ – siehe unten!
Besonders verrückt: Fasching in der Oberpfalz und Bayern
Bei uns in der Region (Amberg & Co.) ist Fasching tief verwurzelt. Die Umzüge sind oft kleiner, dafür umso herzlicher – mit lokalen Themen, viel Musik und jeder Menge Kamelle (oder besser: Bonbons und Bier).
Ein absolutes Highlight in der Nähe: Der Chinesenfasching in Dietfurt (auch „Bayrisch-China“ genannt). Seit über 150 Jahren verkleiden sich die Dietfurter als Chinesen, weil ein Kämmerer des Bischofs von Eichstätt die Stadt einst „wie die Chinesen hinter ihrer Mauer“ verschanzt fand. Heute gibt’s Drachen, Kaiserpaar und einen riesigen Maskenzug – und das ist sogar immaterielles Kulturerbe Bayerns!
Auch in Amberg, Neumarkt oder anderen Oberpfälzer Städten ziehen jedes Jahr bunte Züge durch die Altstadt – mit Prinzenpaar, Musik und dem Klassiker: „Helau!“
Weil es einfach guttut! Fasching war immer schon ein Ventil gegen den Alltag, gegen strenge Regeln und gegen den Winter-Blues. Heute ist es vor allem eins: pure Lebensfreude, Gemeinschaft und die Erlaubnis, mal so richtig Kind zu sein (oder Clown, oder Drache).
Ob du jetzt im Gaudiwurm mitgelaufen bist, am Straßenrand Konfetti gefangen oder einfach nur zugeschaut hast – Fasching verbindet uralte Bräuche mit moderner Party. Und das seit Jahrhunderten.