Das Mysterium der Hungerbrunnen

Ein verborgener Schatz im Leinleiter-Tal. In der Fränkischen Schweiz gibt es Orte, die nur unter ganz bestimmten Bedingungen ihr wahres Gesicht zeigen. Einer davon ist das obere Leinleiter-Tal bei Heiligenstadt – ein meist trockenes Tal, das plötzlich zum reißenden Bach werden kann. Verantwortlich dafür sind die sogenannten Tummler (auch Hungerbrunnen genannt), zwei periodisch aktive Karstquellen nördlich der Heroldsmühle.

Diese Quellen funktionieren wie ein natürlicher Überlauf: Regenwasser und Schmelzwasser versickern im porösen Kalkgestein der Fränkischen Alb und sammeln sich in unterirdischen Hohlräumen. Nur wenn der Grundwasserspiegel stark ansteigt – meist nach intensiven Regenfällen oder der Schneeschmelze im Frühjahr – treten sie plötzlich in Erscheinung. Dann schießt das Wasser aus Felsöffnungen und überflutet das sonst staubtrockene Talbett. Der „Große Tummler“ liegt etwas versteckt hinter einem kleinen Hügel, der „Kleine Tummler“ folgt talaufwärts in kurzer Entfernung.

Früher deuteten viele Menschen das seltene Ereignis als Vorzeichen: Zu viel Wasser auf einmal galt als Warnung vor nassen Sommern, verdorbenen Ernten und möglicher Hungersnot. Daher der Name „Hungerbrunnen“. Heute wissen wir, dass es sich um ein reines geologisches Phänomen handelt – typisch für die Karstlandschaft der Region.

Ein beliebter Rundweg startet an der Heroldsmühle (beeindruckendes großes Mühlrad), führt vorbei an der ständig sprudelnden Leinleiterquelle und dann talaufwärts zu den Tummlern. Die Strecke hat moderate Steigungen (ausser man geht so einen arschigen self made Weg wie ich gestern) und bietet schöne Ausblicke auf die umliegenden Hügel und Wälder. Besonders lohnenswert ist ein Besuch nach längeren Regenperioden, aktuell in der Schneeschmelze oder im zeitigen Frühjahr – dann stehen die Chancen gut, die Quellen aktiv zu erleben. In trockenen Monaten siehst du meist nur die großen, leeren Felsmulden und Infotafeln vor Ort.

Die Tummler sind ein perfektes Beispiel dafür, wie lebendig und unvorhersehbar die Natur in der Fränkischen Schweiz sein kann. Ein kleiner Umweg, der sich fast immer lohnt – vor allem, wenn das Wasser mal wieder sprudelt.

Hier meine Bilder von gestern:

vLog

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