Die Streifengans – Der Höhenflieger unter den Gänsen

Wenn man an Gänse denkt, kommen einem meist die klassischen Graugänse auf dem Dorfweiher oder schnatternde Kanadagänse in den Sinn. Viel weniger bekannt ist eine der faszinierendsten Arten überhaupt: die Streifengans (Anser indicus), auch Indische Gans genannt. Diese Gans schafft Dinge, die fast unglaublich klingen – und das in einer der lebensfeindlichsten Umgebungen der Erde.

Aussehen: Schwarz-weiß gestreift wie ein Zebra auf zwei Beinen

Die Streifengans ist sofort erkennbar. Der Körper ist hell grau-beige, Kopf und Hals zeigen ein markantes schwarz-weißes Streifenmuster – daher der deutsche Name. Besonders auffällig sind die zwei breiten schwarzen Streifen am Hals und die schwarze „Kappe“ auf dem Kopf. Im Flug sieht man die fast reinweiße Unterseite und die dunklen Flügelenden besonders gut.

  • Größe: ca. 70–75 cm Körperlänge

  • Gewicht: 2,2–3,3 kg (Männchen etwas schwerer)

  • Flügelspannweite: bis ca. 145 cm

Im Vergleich zur Graugans wirkt sie etwas graziler und längerhalsig.

Lebensraum der Extreme: Vom Himalaya bis 9.000 Meter Höhe

Die Streifengans ist eine echte Höhen-Spezialistin. Ihre Brutgebiete liegen in den Hochplateaus Zentralasiens (Tibet, Mongolei, Ladakh, Südrussland, Nordindien) auf 3.000–5.500 m Höhe – oft an Bergseen, Hochmooren und Flussauen.

Aber das beeindruckendste Merkmal: Sie überquert den Himalaya auf ihrem Zug in Höhen von bis zu 8.800–9.000 Metern – höher als der Mount Everest! Kein anderes Säugetier oder Vogel zieht regelmäßig so hoch. Wissenschaftler haben mit GPS-Sendern gemessen, dass sie dabei Steiggeschwindigkeiten von über 1.000 Höhenmetern pro Stunde erreicht – und das ohne Sauerstoffmaske.

Brut und Familie – Kolonien in der Einsamkeit

Streifengänse brüten in kleinen, lockeren Kolonien von 5–30 Paaren. Das Nest wird meist auf kleinen Inseln in Seen oder am Ufer gebaut – gut geschützt vor Fuchs und Schakal.

  • Eier: meist 4–6 Stück, weiß bis cremefarben

  • Brutdauer: 27–30 Tage (nur das Weibchen brütet)

  • Flügge: Jungvögel sind nach ca. 50–60 Tagen flügge

Beide Elternteile führen und verteidigen die Küken sehr intensiv. Streifengänse sind übrigens lebenslang monogam – die Paare halten oft viele Jahre zusammen.

Nahrung – Gras, Kräuter und Getreide

Die Streifengans ist fast rein pflanzlich ernährt. Auf den Brutplätzen frisst sie Gräser, Kräuter, Seggen und Moose. Im Winterquartier (Indien, Pakistan, Nordostafrika, Südchina) plündert sie gerne Felder mit Getreide, Reis und Weizen – was sie bei Bauern nicht immer beliebt macht.

Zugverhalten – Der Everest unter den Zugvögeln

Es gibt zwei Hauptzugwege:

  1. Westlicher Zug: Brutgebiete in Kirgisistan / Tadschikistan → Überwinterung in Nordindien / Pakistan

  2. Östlicher Zug: Mongolei / Tibet → Überwinterung in Südchina / Myanmar

Der Himalaya-Überflug ist legendär. Die Gänse nutzen thermische Aufwinde und fliegen oft in der Nacht, um den Tag mit starker Sonneneinstrahlung zu vermeiden.

Status – Nicht mehr so bedroht wie früher

Früher stand die Streifengans auf der Roten Liste (durch Jagd, Lebensraumverlust und Pestizide). Heute gilt sie weltweit als nicht gefährdet (IUCN: Least Concern), der Bestand wird auf 50.000–120.000 adulte Vögel geschätzt (Stand ca. 2020–2025). In Mitteleuropa taucht sie als seltener Gast oder Ausbruchsvogel aus Parkanlagen auf – in Deutschland gibt es immer mal wieder kleine Brutvorkommen, aber sie gilt hier noch nicht als etabliert.

Diese und halt andere hier habe ich am Wochenende an der Isar gesehen und gefilmt:

Fun Facts, die du deinen Freunden erzählen kannst

  • Sie fliegt höher als jeder andere Zugvogel – dokumentiert über 8.800 m

  • Ihr Ruf klingt eher wie ein hohes, melodisches „ai-ai-ai“ oder „krrru“ – gar nicht typisch „gackrig“

  • In Indien gilt sie mancherorts als heilig und wird gefüttert

  • Streifengänse können in Gefangenschaft über 30 Jahre alt werden

Fazit: Die Streifengans ist nicht nur schön – sie ist ein echtes Naturwunder. Ein Lebewesen, das beweist, wie anpassungsfähig und zäh das Leben sein kann – selbst in der Todeszone des höchsten Gebirges der Welt.

Zum Schluss gab es noch einen Wasserkampf. Streifengans vs. Kanadagans:

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